Die Betrachtung eines einzelnen Marktes in der Volkswirtschaftslehre führt häufig auf ein Preis-Mengen-Modell, bei dem ein Marktgleichgewicht erreicht wird. Von Interesse ist dabei die Beziehung zwischen Preis und Menge zum einen auf der Nachfrageseite (z. B. Kunden für ein Produkt) und zum anderen Auf der Angebotsseite (z. B. Hersteller, welche ein bestimmtes Produkt anbieten). Das Verhalten beider Seiten wird über entsprechende Funktionen modelliert. Dabei entsteht eine Nachfragekurve \(D(p)\), die in der Regel eine negative Steigung besitzt und eine Angebotskurve \(S(p)\), deren Steigung in der Regel positiv ist.

Mit diesen Annahmen und unter Verwendung von linearen Funktionen

\begin{align*} D(p) &= 1 + D'(p)p \\ S(p) &= S'(p)p \end{align*}

(üblicherweise mit \(D'(p)<0\)) entsteht dadurch ein Schnittpunkt, der das Marktgleichgewicht darstellt. Hier gibt es einen sogennanten Gleichgewichtspreis mit zugehöriger Gleichgewichtsmenge. An diesem Punkt wird der Handel zwischen den Teilnehmern maximiert: der Mark ist geräumt. Man kann auch zeigen, dass an diesem Punkt die zugehörige Allokation Pareto-effizient ist.

Die Nachfragekurve wird durch die Zahlungsbereitschaft der einzelnen Teilnehmer bestimmt. Umso höher der Preis, desto geringer ist typischerweise die nachgefragte Menge. Umgekehrt fragen bei einem niedrigen Preis viele nach einem Produkt nach, da Marktteilnehmer in der Regel nichts gegen einen günstigen Einkauf einzuwenden haben. Daher ist die Steigung hier negativ. Bei der Angebotskurve verhält es sich genau anders herum. Diese wird durch die Grenzkosten der Anbieter bestimmt und umso höher der Preis, desto größer ist auch das Angebot, da mehr Anbieter zu höheren Preisen verkaufen können (und auch die mit niedrigen Kosten verkaufen gerne teuer). Daher besitzt diese Kurve eine positive Steigung.

Stellt sich nun ein Gleichgewichtspreis ein und davon ausgegangen wird, dass alle Teilnehmer auch zu diesem Preis handeln, gibt es bei der Nachfrageseite welche, die sogar zu einem höheren Preis bereit gewesen wären, ein Produkt zu kaufen. Diese haben also einen persönlichen Gewinn erzielt, den man in der Summe (Preis aller Nachfrager gewichtet mit der Menge) als Konsumentenrente bezeichnet. Auf der Angebotsseite stellt sich die gleiche Situation ein: manche Anbieter können über ihren Kosten verkaufen. Hier spricht man im Gesamten von der Produzentenrente.

Damit sind die Rahmenbedingungen des Modells gesetzt. Da volkswirtschaftliche Modelle immer dazu dienen, bestimmte Fragestellungen zu beantworten, wird das Modell jetzt noch um die Einführung einer Steuer ergänzt. Von Interesse ist hier nun, wie sich diese Maßnahme auf das Marktverhalten auswirkt, inwieweit das Marktgleichgewicht sich verändert und in welcher Höhe die Steuerlast von den Teilnehmern getragen wird.

Zur Vereinfachung wird hier von einer Stücksteuer (konstanter Betrag unabhängig vom Preis) ausgegangen. Zudem sei angenommen, dass diese Steuer von den Unternehmen erhoben wird. Damit verschiebt sich die Angebotskurve um einen konstanten Betrag \(S(p-t)\). Einen Teil der Steuer werden diese jedoch an die Nachfrager weiterreichen. Wie viel überwälzt werden kann, bestimmen die jeweiligen Elastizitäten der Kurven

\begin{align*} E_D(p) &= \frac{D'(p)}{D(p)}p \\ E_S(p) &= \frac{S'(p)}{S(p)}p. \end{align*}

Sie geben approximativ an, welche relative Mengenänderung von \(D\) bzw. \(S\) bei einer gegebenen relativen Änderung von \(p\) zu erwarten ist (wird der Preis beispielsweise von \(p=0.5\) um 10 % auf \(p=0.55\) erhöht und gilt \(E_D(0.5) = -1\), so wird sich auch die nachgefragte Menge etwa um 10 % reduzieren). Beeinflussbar ist sie über die Steigung der Angebots- bzw. Nachfragefunktion. Eine höhere Steigung führt dabei zu einer höheren Elastizität, damit z. B. zu einer besseren Marktstellung der Nachfrager (sofern die andere Seite unverändert bleibt) und damit letztendlich zu einem geringeren Anteil an der Steuerlast

Die genannten Punkte sowie die genaue Aufteilung der Steuerlast klärt die folgende Animation.





Auswirkungen der Steuerpolitik im Modell des vollkommenen Marktes. Mit \(t\) wird die Höhe der Stücksteuer eingestellt, welche die Unternehmen abführen müssen. Mit den beiden anderen Slidern kann die Steigung der Nachfrage- bzw. Angebotskurve eingestellt werden, womit letztendlich auch die Elastizität beeinflusst wird. Zuletzt besteht noch die Möglichkeit, die Konsumenten- bzw. Produzentenrente anzuzeigen. Die obere Grafik zeigt die Auswirkungen im Marktmodell. Es sei hier angemerkt, dass es bei diesem Modell leider üblich ist, die Achsen falsch aufzutragen: die unabhängige Variable \(p\) (Preis) wird nach oben und die abhängige Variable \(Q\) (Menge) nach rechts aufgetragen (normalerweise ist es genau anders herum). Die untere Grafik zeigt schließlich noch die Auswirkungen der Steuer in Abhängigkeit des Steuersatzes.

Zusammenfassung der in der Grafik verwendeten Formeln:

List of attached files:


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