Typografische Grundbegriffe


Typography exists to honor content.

-- Robert Bringhurst

Übersicht der wichtigsten Grundbegriffe zur Typografie (im engeren Sinne der Schriftgestaltung). Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf das Buch Grafik und Gestaltung (2. Auflage) von Markus Wäger.

Klassifikationen

  • Schriftfamilie/Schriftart: Einzelner benannter Font, der eine Reihe zueinander gehörender Schriftschnitte enthält (z. B. Arial, Linux Libertine) [42].
  • Schriftschnitt: Teil eines Fonts mit einer bestimmten Eigenschaft bzw. ausgelegt für einen bestimmten Anwendungszweck (z. B. Kursiv, Normal, Bold, Kapitälchen) [42].
  • Schriftklasse: Einordnung der Schrift in eine von drei Grundtypen: Antiqua, Egyptienne und Grotesk. Auch wenn die einzelnen Typen sich historisch so entwickelt haben, werden sie heute meist für unterschiedliche Anwendungsbereiche eingesetzt (z. B. zur Unterscheidung von Überschriften und normalem Text).
  • Formprinzip: Klassifikation der Schrift anhand der optischen Wirkung: statisch, dynamisch und konstruiert.

Bezeichnungen

  • Versalie = Majuskel = Großbuchstaben
  • Gemeine = Minuskel = Kleinbuchstaben

Schriftschnitte

Eine breite Übersicht findet sich auch in diesem Lexikoneintrag. Beispiele können auch interaktiv bei Linux Libertine generiert werden.

  • Oblique: Automatisch erzeugte schräge Version einer Schrift. Verursacht verzerrte Formen und ist typografisch nicht akzeptabel [501].
  • Italic: Manuell vom Schriftdesigner entwickelte schräge Version einer Schrift. Durch die manuelle Optimierung der Schräglage entsteht normalerweise ein passenderes Schriftbild [502].
  • Echte Kursive: Ebenfalls eine schräge Version einer Schrift, jedoch mit teils erheblichen Abweichungen vom Original. Einzelne Buchstaben können hierbei bereits deutlich "ausgefallener" gezeichnet werden [502].
  • Condensed: Extra schmal angelegte Version einer Schrift, um mehr Text in der Breite unterzubekommen [503].
  • Kapitälchen: Version einer Schrift, deren Buchstaben nur aus Versalien bestehen, wobei Versalien des Textes höher gezeichnet werden als die der Gemeinen [393]. Wird vom Schriftdesigner üblicherweise ebenfalls als eigenständiger Schriftschnitt angelegt, damit keine unschönen Skalierungseffekte auftreten [505].

Schriftgruppenmatrix

Auflistung aller Kombinationen von Schriftklassen und Formprinzipien (etwas umfangreicheres Beispiel). Die Vertikale enthält die verschiedenen Schriftklassen. Unterschiedliche Zeilen sind für einen ausreichenden Kontrastumfang notwendig. Die Horizontale enthält dahingegen die unterschiedlichen Formprinzipien. Für einen harmonischen Schriftmix sollten Schriften mit gleichem Formprinzip (d. h. gleiche Spalte) gewählt werden [450]. Die DIN-Norm 16518 versucht ebenfalls eine Ordnung in die verschiedenen Schriften zu bringen (und enthält dementsprechend weitere Beispiele).

  • Schriftklasse (Vertikale)
    • Antiqua: Schrift mit Serifen. Meistens geprägt durch unterschiedliche Schriftstärken und teils sehr feinen Strichen. "Antik", da es die älteste Schriftklasse ist, welche heute noch breite Anwendung findet.
    • Egyptienne: Schrift mit Serifen und stark ausgeprägten sowie gleichmäßigen Strichstärken. Durch diese Gleichmäßigkeit ergibt sich im Generellen ein reduzierter Kontrast. Der Name rührt eigentlich nur daher, dass diese Schriften zu einer Zeit entstanden, in der alles Ägyptische im Trend war [408].
    • Grotesk: Schrift ohne Serifen. Zu der Zeit als diese Schriften entstanden, erschien es "grotesk", Schriften ohne Serifen zu gestalten.
  • Formprinzip (Horizontale)
    • Statisch (klassizistisches Prinzip): Schriften mit starker Betonung der Vertikalen, wodurch ein sehr symmetrischer Eindruck entsteht [404].
    • Dynamisch (humanistisches Prinzip): Durch Formenvielfalt und dynamische Schattenachsen entsteht ein sehr lebendiger Schrifteindruck [404].
    • Konstruiert (geometrisches Prinzip): Schriften, die streng mit Hilfe von Zirkel und Lineal gestaltet wurden. Dadurch dominieren vor allem geometrische Formen wie Kreise und Linien das Schriftbild.

Abstandsjustierungen

  • Zurichtung: Breite die für jedes Zeichen definiert wird. Anhand dieser Größe werden die einzelnen Buchstaben aneinandergereiht (ohne Berücksichtigung anderer Einflussgrößen).
  • Kerning: Spezielle Einstellung für den Abstand zwischen einzelnen Buchstabenpaaren, die ansonsten eine problematische Wirkung haben könnten. Wird im Idealfall vom Schriftdesigner festgelegt (metrische Einstellung) oder per Software automatisch berechnet (optische Einstellung) [496ff].
  • Laufweite: Genereller Abstand zwischen den Zeichen. Einstellung wird bei allen Buchstaben gleich angewandt [521].
  • Wortabstand: Abstand zwischen einzelnen Wörtern. Wird vom Schriftdesigner durch die Definition der Breite des Leerzeichens festgelegt [526].

Ziffernarten

Beispiele und Anwendungsbereiche sowie weitere Ziffernarten.
  • Mediävalziffern: Ziffern unterschiedlicher Höhe, die sich in den Text als kleingeschriebenes Wort einfügen und dadurch weniger markant auffallen [390].
  • Versalziffern: Ziffern gleicher Höhe, wobei sie im Text als großgeschriebenes Wort erscheinen [391].
  • Tabellenziffern: Ziffern mit gleicher Breite (und meist auch gleicher Höhe). Dient vor allem der gleichmäßigen Darstellung in Tabellen (Ziffern können sauber untereinander stehen) [391].